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Wie viel Demenz dürfen wir der Öffentlichkeit zumuten?

Die Stadt Groß-Umstadt und die Diakoniestation Groß-Umstadt hatten öffentlich zu einer Gesprächsrunde zum Thema Demenz in die Seniorenwohnanlage eingeladen. Wie kann es gelingen, so die Idee, Menschen mit Demenz so lange wie möglich ein Leben in unserer Mitte zu ermöglichen, sie als Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht zu vergessen - auch wenn sie vergesslich geworden sind?

Jörg Rast, der Geschäftsführer der Diakoniestation Groß-Umstadt/Otzberg, findet es wichtig, dass demenzkranke Menschen am Leben teilnehmen. Denn mit dem Gedächtnis verschwinde nicht automatisch die Persönlichkeit. Wie viel Öffentlichkeit man demenzkranken Menschen abverlangen könne, müssten die betreuenden Angehörigen entscheiden.

Ulrike Stöhr, die gerontopsychiatrische Fachkraft und Beraterin der Diakoniestation, weiß aus ihrer Erfahrung, dass man nur überlebensfähig ist, wenn man noch einen Sinn in seinem Leben sieht. Wenn das wegfällt, komme das einem sozialen Todesurteil gleich, das gelte auch für Demenzerkrankte. Zwar heiße es in der Medizin, Betroffene verlören mit dem Gedächtnis ihre Persönlichkeit, die Angehörigenberatung sehe das eher vom ethischen Aspekt her: Das, was wir als Seele bezeichnen, bleibt. Die Persönlichkeit ist noch da, der Kranke kann sie nur nicht nach außen tragen. Die eigentliche Kunst bestehe darin, den Kranken zu schützen - und seine Persönlichkeit weiterhin zu respektieren. Das sei natürlich nicht immer leicht, doch wäre Entmündigung der falsche Weg. Entscheidend sei ein sensibler und wertschätzender Umgang, das verändere die Kommunikation total.

Theoretisch sei für Alzheimer Patienten die Teilnahme am Leben überall möglich, wo Menschen zusammenkommen, ist sich Monika Achtmann, die Seniorenbeauftragte der Stadt, sicher. Die Seniorenwohnanlage in Groß-Umstadt habe zum Beispiel einen Chor, an dem auch Demenzerkrankte teilnähmen. Da falle es gar nicht auf, dass viele von ihnen nicht mehr lesen könnten, sie sängen teilweise noch besser als manche Angehörige.

Im Grunde, so waren dich die Teilnehmer einig, sollten Außenstehende gegenüber Betroffenen um Normalisierung im gesellschaftlichen Umgang bestrebt sein. Menschen im Rollstuhl würden auch nicht als Fremdkörper angesehen, man nehme Rücksicht und passe die Umwelt zunehmend an deren Bedürfnisse an. So wünsche man den Demenz-Patienten ein Recht auf Teilhabe, dass sie mitgehen können auf ein Fest oder ins Café. Und wenn die Tasse umfalle, bekräftigt eine Gastronomin und Hotelbetreiberin, sei es kein Drama, man sehe darüber hinweg, genau wie bei Kindern. Es sollte selbstverständlich werden, dass Angehörige auf Solidarität zählen oder um Hilfe bitten können, ohne schief angeschaut zu werden.

Im Vergleich zu anderen Regionen wie etwa dem angelsächsischen Raum oder Skandinavien herrscht in Deutschland noch immer eine starke Tabuisierung. In der Regel werden erste Anzeichen heruntergespielt, oder der Betroffene versucht, sie zu verbergen. Doch die Zahl der Betroffenen wird weiter ansteigen, neben der Versorgung ist daher die Frage, wie wir alle mit Demenz umgehen, die wichtigste. Beratung bei der Diakoniestation unter Tel. 06078-2003 oder persönlich im ehemaligen Bahnhofsgebäude, Saint-Péray-Str. 9 in Groß-Umstadt.

Tags: Senioren