Das Neue Dorf

Vielfalt leben, lokal produzieren, mit Natur und Nachbarn kooperieren

Auf Einladung des städtischen Agenda-Büros wird Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl, Leiter des Instituts für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz an der Technischen Universität Hamburg (TUHH), am 16. Januar um 19 Uhr im Clubraum der Stadthalle über „Das Neue Dorf“ sprechen, in Anlehnung an den Titel seines neuen Buches. Alle Interessierten sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei.

„Ich möchte Beispiele für eine Welt zeigen, wie ich sie mir für mich, meine Kinder und alle Nachkommen wünsche! Nach über 15 Jahren Forschung zu ländlicher Entwicklung kann ich inzwischen sagen, dass für ein Leben in Wohlstand alles für alle da ist!“ Genau so titelte Prinz Felix zu Löwenstein 2015: „Es ist genug für alle da.“ „Es braucht aber“, so Otterpohl weiter, „sehr viele Menschen, die an einer besonders lebenswerten Welt aktiv mitwirken. Alles ist lernbar, und wenn viele Menschen sich zusammen tun, dann heißt das auch, anzupacken und etwas aufzubauen. Die Stadt allein hat keine Zukunft“, irgendwo müssen die Lebensmittel ja herkommen.

„Ein zukunftstauglicher Bauernhof“, beschreibt der Wissenschaftler in meinem Buch, „besteht aus vielleicht hundert Minifarmen: Dem Neuen Dorf. Teilzeit-Gärtner produzieren mit interessanter Nachbarschaft hochwertigste Lebensmittel und bauen Humus auf. Sie haben vielfältigen Tätigkeiten, ein gutes Auskommen, sind unabhängig und selbstbestimmt. Es werden alle Aspekte einer bio-intensiven Landwirtschaft mit sehr hoher Pflanzenvielfalt dargestellt, und die erstaunlichen Einkommen, die damit gegen entsprechend sinnvolle und erfüllende Arbeit erzielt werden können.

Humus und lebendiger Boden sind unsere Lebensgrundlage. Der Erhalt erfordert Millionen von Menschen. Humusaufbau sorgt für hohe Produktivität, sichert die Wasserversorgung und ein ausgeglichenes Klima. Hunderte Nutzpflanzen in Gartenbau, Agroforst und mit Waldgärten stärken sich gegenseitig. Die vielfältigen Kleinbetriebe der Neuen Dörfer versorgen auch die Stadt, typischerweise haben die meisten Menschen neben der eigenen Minifarm einen Anteil an einem Betrieb der Weiterverarbeitung oder beispielsweise der Herstellung von Haushaltschemikalien, einer Tischlerei oder an einem Betrieb zur Herstellung von Elektrogeräten für den Gartenbau. Kultur wird aktiv betrieben, die Bühne ist zugänglich.

Kinder wachsen in und mit der Natur auf. Ältere, die vielleicht im Ruhestand aufs Land ziehen und Gartenbau betreiben, werden später bei Bedarf im eigenen Haus oder der Wohnung im Neuen Dorf versorgt. Aus großflächigen Monokulturen werden hochdiverse, hochproduktive Paradiese.“

Der Vortrag von Prof. Otterpohl zeigt zunächst auf drastische Weise, dass die Situation weit schlimmer ist, als die meisten denken, und gibt Hinweise auf die persönliche Schadensbegrenzung. Dann wird auf sehr ermutigende Weise gezeigt, dass es ein Füllhorn erprobter Möglichkeiten gibt, die in Kombination besonders machbar sind.

Univ. Prof. Dr. Ralf Otterpohl lehrt seit etwa fünfzehn Jahren Studierende aus aller Welt zum Thema ländliche Entwicklung. Durch die Forschung zu Terra Preta Sanitation konnten Wege zur effizienten Humusproduktion aufgezeigt werden. Er hat zwei Töchter, lernte Maurer, Siedlungswasserwirtschaft, Geomantie und Psycho-Kinesiologie. Er bewirtschaftet einen Permakultur-Garten mit Wald, verbreitet Walnussbäume und Esskastanien.