Landschaftsplan 2001

 

2.7 Planungsaussagen

Im "Ziel- und Maßnahmenkonzept" des Landschaftsplanes werden zahlreiche Maßnahmen vorgeschlagen. Soweit sie einen räumlichen Bezug haben, werden diese in der Entwicklungskarte des Landschaftsplanes dargestellt.

Wesentliche Planungsziele sind:

Arten und Lebensgemeinschaften

  • Schutz vorhandener wertvoller Bereiche - Schwerpunkt Streuobstwiesen
  • Entwicklung der stärker verarmten Bereiche - Schwerpunkt Fließgewässer und deren Auen

Erholung

  • Erhaltung der strukturreichen Kulturlandschaftsausschnitte
  • Entwicklung von attraktiven Rad- und Wanderwegen

Wasser

  • Schutz der Grundwasserqualität
  • Entwicklung der Fließgewässer

Boden

  • Schutz vor Bodenerosion
  • Schutz vor unnötigen Versiegelungen

Klima/Luft

  • Stärkung der Vitalität der Wälder
  • Fortführung der Maßnahmen zur Energieeinsparung

Entwicklungskarte

 

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2.7.1  Ein Beispiel für planerische Aussagen
          - Erhalt der Kulturlandschaft -

Einen Schwerpunkt der Planungsaussagen bildet vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in der Landschaft der Erhalt der Kulturlandschaft.

Die Landschaft im Stadtgebiet Groß-Umstadts wird überwiegend von Kulturbiotopen gebildet, d. h. von Biotopen, die durch die Nutzung des Menschen entstanden sind. Beispiele hierfür sind Grünland, Streuobstwiesen und Hecken.

Extensive Nutzungsformen, die zur Entwicklung und zum Erhalt schützenswerter Kulturbiotope geführt haben, gehen mehr und mehr zurück. Verbuschende Obstwiesen, brachgefallene Magerrasen und von Schlehen und Brombeeren überwucherte Weinbergsmauern sind die Folge. Wird nichts unternommen, breitet sich der Wald in Bereichen mit unterdurchschnittlicher Eignung für landwirtschaftliche Nutzung aus. In Groß-Umstadt wären vor allem der Randbereich des Sandsteinodenwaldes in den Naturräumen Otzberger Randhügelland und Kleine Bergstraße betroffen. Gerade diese Naturräume zeichnen sich durch eine große landschaftliche Vielfalt, durch einen größeren Artenreichtum und durch ein für die Erholung reizvolles Landschaftsbild aus.

Am Beispiel der in Groß-Umstadt noch weit verbreiteten Streuobstwiesen sollen einige Maßnahmen, genannt werden, mit denen ein Beitrag zu deren dauerhaften Erhalt geleistet werden kann:

  • Einsatz von Mitteln aus dem Hessischen Landschaftspflegeprgramm (HELP) für Baumpflanzungen und Baumschnitt sowie für die Grünlandpflege
  • Förderung der Anlage oder Sanierung von Streuobstwiesen auf der Grundlage der Förderung von Investitionsmaßnahmen durch das Land Hessen
  • Einsatz von Mitteln aus der Ausgleichsabgabe
  • Einsatz von Mitteln aus dem Dorferneuerungsprogramm
  • Flächenankauf und Durchführung von Kompensationsmaßnahmen im Rahmen der Eingriffsregelung
  • Darstellung von Flächen für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft im Flächennutzungsplan
  • Obstbaumpflanzaktionen initiiert z.B. durch die Stadt, den Obst- und Gartenbauverein, Schulen oder Naturschutzverbände
  • Initiierung von Baumpatenschaften: Die "Paten" zahlen einen gewissen Betrag pro Baum, finanzieren damit die fachgerechte Pflege und dürfen das Obst "ihres" Baumes ernten
  • Versteigerungen des Obstes der Stadt unter Auflagen (Beschädigungen der Bäume bei der Ernte müssen vermieden werden)
  • Verpachtung von Obstwiesen der Stadt oder von einzelnen Obstbäumen
  • Organisation von Schnittkursen durch die Stadt und/oder der Obst- und Gartenbauverein
  • Beratung über Obstverwertung, z.B. private Saft- und Weinherstellung, Produktion von Dörrobst und Information über weitere Apfelprodukte, z.B. Brände, Schaumwein und sortenreine Apfelweine; Hilfe bei der Sortenbestimmung
  • Aufpreisvermarktung von Obstsaft aus Streuobstanbau durch in der Nähe von Groß-Umstadt vorhandene Keltereien oder Vereine, z.B. nach dem Modell der Eberstädter Streuobstwiesen
  • Schaffung von Ausleihmöglichkeiten für Häcksler, Motorsensen, Balkenmäher, kleine Trecker etc.
  • Anschaffung einer Kelter durch die Stadt
  • Zusammenarbeit mit Schafhaltern und Imkern
  • Informationen der Bevölkerung über die Kulturlandschaft, z.B. am Beispiel der Streuobstwiesen, und über die Bedeutung des persönlichen Konsumverhaltens durch die Stadt oder durch Naturschutzverbände in Führungen, Vorträgen und Ausstellungen
  • Anlage eines Kulturlandschaftspfades, der am Beispiel der Streuobstwiesengebiete die geschichtliche Entwicklung sowie die ökologische und kulturelle Bedeutung der bäuerlichen Kulturlandschaft vermittelt
  • Organisation eines (jährlichen) Streuobstwiesenfestes, evtl. als Abschluss der Apfelernte, durch die Stadt, die Dorfgemeinschaft oder einen Verein.

Einige der genannten Maßnahmen werden in Groß-Umstadt z.B. durch Landwirte, Naturschutzverbände oder die Stadt bereits umgesetzt. Ein dauerhaftes und effektives Engagement auf dem Gebiet der Kulturlandschaftspflege wird in Zukunft noch dringender sein als zurzeit.

 


Seitenanfang · Stand: 31.10.2011 · Inhaltsübersicht
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