Groß-Umstadt
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Die Stadt Groß-Umstadt in ihren heutigen Grenzen setzt sich aus den Stadtteilen Dorndiel, Heubach, Klein-Umstadt, Kleestadt, Raibach, Richen, Semd, Wiebelsbach und Groß-Umstadt zusammen.
In der Nähe Groß-Umstadts wurde eine altsteinzeitliche Besiedlung aus den Jahren um 7000-10000 v. Chr. nachgewiesen. Die kontinuierliche Besiedlung der Stadt und ihrer Umgebung begann in der Jungsteinzeit, ca. 5000 v. Chr. und fand in reichen archäologischen Funden ihre Bestätigung.
Die Geschichte der Stadt beginnt mit der Schenkung der St. Peters-Basilika an das Bistum Würzburg. König Pippin vermachte dem Kloster Fulda im Jahre 766 das eigene Königsgut, genannt "autmundisstat". Vögte des fuldischen Besitzes wurden u. a. die Herren von Münzenberg und von Katzenellenbogen, die es durch ihre Politik verstanden, Allodialbesitz zu bilden. Seit 1255 sind Hanau (als Münzenberg´sche Erben) und Fulda gleichberechtigte Besitzer der Stadt Groß-Umstadt, die als Zeichen ihrer zentralen Bedeutung schon sehr früh mit Markt- und Stadtrechten ausgestattet wurde. 1390 scheidet Fulda als Besitzer aus, ihr Anteil geht an den Pfalzgrafen.
Groß-Umstadt kann auf eine reiche und bewegte Geschichte zurückblicken: Reich auf Grund des Alters und bewegt, da es wiederholt Streitobjekt verschiedener Territorialherren war. Die Doppelherrschaft der Herren von Hanau und der Pfalzgrafen im ausgehenden 14. Jhd. hatte Reibereien zwischen beiden zur Folge. Ein Vergleich über die ungeteilte Gemeinschaft Umstadts im Jahre 1428, der den Streit beenden sollte, hatte mehr urkundlichen Charakter als reellen Wert.
... zeigt im blauen Schild eine bezinnte
silberne Mauer, einen Mittelturm und zwei achteckige Seitentürme, jeweils rot
bedacht und mit goldenem Kreuz bzw. goldenen Knäufen. Zwischen den Türmen
befindet sich (heraldisch rechts) das hanauische (drei rote Sparren in Gold)
und links das fuldische (schwarzes Kreuz in Silber) Wappen.
1504 besetzte Landgraf Wilhelm von Hessen im bayrischen Erbfolgestreit ganz Umstadt. Die Pfalz erhielt ihren alten Anteil zurück, der Landgraf den ehemals hanauischen Anteil zugesprochen. Der Dualismus Pfalz - Hessen, der bis 1803 dauerte, hat die Entwicklung der Stadt, besonders nach dem 30-jährigen Krieg, nicht zu fördern vermocht.
Auch Groß-Umstadt blieb das Los der Verwüstung nicht erspart. So wurde es im Verlauf des bayrischen Erbfolgekrieges 1504 geplündert und in der sogenannten Sickinger Fehde 1518 durch Götz von Berlichingen erobert. Auch von weiteren Auswirkungen des 30-jährigen Krieges (Pestzeit 1634/35) und der französischen Revolutionskriege blieb Groß-Umstadt nicht verschont.
Seit frühester Zeit sind die typischen Merkmale einer Stadt für Groß-Umstadt
urkundlich belegt. 1263 gab es das Schultheißenamt, die Gerichtsbarkeit in der
Stadt ist 775 belegt und ein Land- und Stadtgericht ist urkundlich
nachweisbar. Das Umstädter Gericht hatte die Funktion eines Oberhofes. Das
Zent- und Landgericht, das wie das Stadtgericht unter der Leitung eines
Schultheißen stand, umfasste im 15. Jhd. 27 Orte des Umkreises.
Kirchlich gehörte Groß-Umstadt im Mittelalter zum Erzbistum Mainz, Archidiakonat Aschaffenburg. 1523 begann sich die lutherische Lehre in Umstadt auszubreiten, die Reformation wurde 1547 eingeführt (pfälz. Teil reformiert, hess. Teil lutherisch). Oft kam es zu Streitigkeiten zwischen den Anhängern beider Bekenntnisse, doch existieren seit dem Ende des 30-jährigen Krieges beide Konfessionen nebeneinander, wobei es nicht an Unionsversuchen fehlte, die aber keinen Erfolg zeigten. Seit 1694 ist die Glaubensausübung auch den katholischen Bürgern wieder gestattet, die 1701 einen eigenen Geistlichen erhielten. Seit Beginn des 20. Jhds. und besonders nach dem 2. Weltkrieg ist die Zahl der katholischen Bürger durch die Zuwanderung Heimatvertriebener in Groß-Umstadt wieder gestiegen.
Groß-Umstadt ist reich an Zeugnissen der Vergangenheit. Aus einer
fränkischen Siedlung entstanden, wuchs die Stadt allmählich über ihre
Befestigungsmauern hinaus. Von den ehemaligen Fortifikationsanlagen sind heute
nur noch wenige Reste erhalten.
Von Reichtum und Bürgerstolz zeugen zahlreiche historische Profanbauten, die
das Stadtbild unverwechselbar machen. Die Erhaltung dieser wertvollen
Bausubstanz ist eine der Aufgaben, um die sich Magistrat und
Stadtverordnetenversammlung der inzwischen auf über 22.000 Einwohner
angewachsenen Stadt bemühen.
Ein bedeutendes historisches Bauwerk ist die heutige Ev. Stadtkirche. Schon bei der Schenkung Karlmanns im Jahre 743 wurde die St. Peters Basilika genannt, die an der Stelle der heutigen Kirche stand. Mit Ausnahme des älteren Westturms ist das Gotteshaus ein Bau aus der Zeit von 1465-1494. In der Sakristei und im Chor finden sich Reste von Wandmalereien aus der Bauzeit. Sie wurden restauriert.
Die Bedeutung Groß-Umstadts als Verwaltungsbesitz zeigen die zahlreichen Schlösschen. So das Pfälzer Schloss, das Wambolt´sche Schloss, der Rodensteiner Hof, das Darmstädter Schloss (das frühere Hanauische Schloss), der Heddersdorf´sche Hof, der Gans´sche Adelshof und das Curtischloss, das allerdings 1963 einem Erweiterungsbau des Gymnasiums weichen mußte. Ein besonders imposantes Gebäude ist das stolze Renaissance-Rathaus am Markt. Das in der Zeit von 1604-1605 errichtete Bauwerk stellt nicht nur innerhalb der Stadt, sondern auch in der weiteren Umgebung einen architektonischen Höhepunkt dar.
Auch die Neuzeit hat deutliche Zeichen gesetzt. Neue Wohngebiete konnten erschlossen, Industrie- und Gewerbebetriebe angesiedelt werden. Der Erholungs- und Freizeitwert der Stadt Groß-Umstadt ist beachtlich. 60 km Wanderwege führen durch die waldreiche Gemarkung, und der als Erholungsort staatlich anerkannte Stadtteil Heubach lädt zu längerem Verweilen ein.
Eine lange Tradition hat auch der Weinbau in Groß-Umstadt. Er ist seit 1000 Jahren urkundlich belegt. Für Weinkenner ist der Umstädter Wein aus den Lagen der "Odenwälder Weininsel" - kräftig, frisch und spritzig - ein Geheimtipp.
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