Umstädter Stadtgrünstrategie

Die Stadt Groß-Umstadt befasst sich aktuell mit der Weiterentwicklung des sogenannten Stadt- und Straßenbegleitgrüns, wie es im Gewerbegebiet entlang der Georg-August-Zinn-Straße und an den blühintensiven Flächen im Bereich des Ziegelwaldkreisels zu beobachten ist und durchgehend wertgeschätzt wird.

Es sind ausgerechnet die beiden Standorte, die einen aufschlussreichen Blick auf die konventionelle und die zukünftig nachhaltige Bepflanzung werfen. Denn es gibt diverse Klein- und Kleinstflächen und eben die Pflanzbeete in der Georg-August-Zinnstraße, deren Besatz im Jahresverlauf ausgetauscht werden muss und der Idee des rein optisch als „schön“ geltenden Begleitgrüns entspricht, aber kosten- und pflegeintensiv ist. Auch das strategische Ziel, Stadtbegrünung nicht nur als gestalterisches Element zu verstehen, sondern den Anteil von blühenden, für Insekten attraktive Bepflanzung zu erhöhen, erfüllen diese Anlagen nur bedingt. Das wird nahezu ideal erreicht am o.g. Kreisel und an vielen anderen Stellen, die in den vergangenen Jahren neu angelegt worden sind.

Damit ist für die verantwortlichen Personen im Magistrat und in der Grünflächenplanung die Richtung klar: Der Anteil von natürlichen, insektenfreundlichen, mehrjährigen und pflegeleichten Blühpflanzen soll erhöht werden. Das entspricht der bereits geltenden Förderung von Blühflächenaktionen im Bereich der Landwirtschaft.

Dennoch ist die aktuelle „Strategie“ keine eindimensionale, einfache, fertige Lösung, immer wieder müssen diese und andere Fragen beantwortet werden:

  • Wie nachhaltig ist eine Bepflanzung?
  • Welche Blühmischung ist standortgeeignet und „verschwindet“ nicht nach einer Blühphase?
  • Nicht alles was blüht ist attraktiv für die heimischen Insekten.
  • Wie entwickelt sich die Fläche im Jahresverlauf?
  • Viele Bürgerinnen und Bürger empfinden solche Flächen - gerade, wenn sie klein sind und geringere Blühanteile im Jahresverlauf haben - als ungepflegte „Unkrautflächen“.
  • Blühflächen erfordern Pflege, gerade während der ersten Jahre.
  • Je kleiner die Fläche, desto schwieriger ist eine nachhaltige Bepflanzung.

Klar ist auch, dass ein Teil der Bevölkerung das kurzgehaltene, „saubere“ Grün als „Idealzustand“ begreift und fordert, die Stadt müsse noch viel öfter mähen. Dieser und andere Widersprüche sollen und müssen weiterhin angeschaut und können nur bedingt und immer wieder erläuternd aufgelöst werden.

Für die Stadt und die steuerzahlenden Bürgerinnen und Bürger - so sieht es die Strategie vor - kann es nur um den guten Kompromiss gehen, der sich in etwa so umschreiben lässt: Schöne Grünanlagen für Mensch und Natur, Sicherung der Anlagen und Schaffung von Pflanzbereichen, die Aufwand und Kosten rechtfertigen. Bisher unterhält die Stadt ca. 40 ha Grünflächen, die nicht alle in dem Rhythmus gepflegt werden können, wie vielleicht erwünscht oder notwendig. Dennoch wird gerade unter Betrachtung der zur Verfügung stehenden Personalkapazitäten der Zustand als zufriedenstellend betrachtet.

„Kompromisse“, so Bürgermeister Joachim Ruppert, „sollten am Ende auch die Bürgerinnen und Bürger akzeptieren, denn alles immer und jederzeit optimal herzurichten wird selbst bei der schönsten Strategie nicht gelingen.“