Durchfahrt frei halten

Der Straßenverkehr ist ein Lebensbereich, der umso besser funktioniert, je verlässlicher sich alle Mitwirkenden an die Regeln halten. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass jedes Fehlverhalten unmittelbar zu Einschränkungen, Behinderungen bzw. Gefahren und nicht selten zu Streit und gegenseitigen Vorwürfen führt. So ziemlich alle Menschen wissen das aus eigener Erfahrung. Immer wieder interessant zu beobachten, dass z.B. Menschen im Auto und Menschen auf dem Fahrrad sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie dieser gemeinsame Verkehrsraum genutzt werden sollte. Dumm nur, dass jeder Mensch sich selbst mehrmals am Tag in den unterschiedlichen Rollen wiederfindet: im Auto, zu Fuß, auf dem Rad, mit Kindern auf dem Bürgersteig oder im Wohngebiet. Als Anwohner klagt man das Schritttempo der anderen ein, fordert Schilder, Überwachung und Baumaßnahmen, als Fahrer im PKW kann es nicht schnell genug gehen, steht jeder Baum im Weg, erscheint das Dahinschleichen in der Tempo-30-Zone eine unerträgliche Herausforderung.

Es liegt in der Natur von Regeln, dass man sie jederzeit braucht - egal, ob man mit dem Auto, dem Rad oder zu Fuß unterwegs ist oder einfach nur wohnt. So stellt man Einfahrten nicht zu, weil man seine eigene auch nicht zugestellt haben möchte. So stellt man sein Auto auch nicht - mal kurz - so ab, dass Müllfahrzeuge, Busse und Einsatzfahrzeuge nicht mehr durchkommen, denn wehe, man selber braucht mal den Rettungswagen oder die bestellten Möbel können nicht angeliefert werden. Ein klein wenig Aufmerksamkeit für § 1 der Straßenverkehrsordnung würde viel Streit, Verdruss und manches Bußgeld vermeiden:

  1. Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
  2. Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Neben dem kürzlich thematisierten Bürgersteig-Parken ist auch das Halten (und erst recht das Parken) an engen Straßenstellen immer wieder Anlass für Auseinandersetzungen. Dabei ist es gemäß § 12 Abs. 1 StVO schlicht verboten - erfordert aber unter Umständen die Freiheit und das Selbstbewusstsein, das Auto ein paar Meter weiter weg abzustellen, um nicht selbst „Täter“ (unachtsamer und am Ende mit Vorwürfen konfrontierter Verkehrsteilnehmer) und tags drauf vielleicht „Opfer“ (also auch wieder betroffener Bürger) zu sein.

Die Bequemlichkeit des einen ist die Wut des anderen - und umgekehrt. Eng wird es auch oft deshalb, weil die Stadt zwar ausreichend Stellplätze auf den Grundstücken verlangt, Garagen oder Carports aber häufig als Abstellflächen für Rasenmäher, Fahrräder und andere Gegenstände genutzt werden und das Auto als Hindernis im öffentlichen Verkehrsraum steht - das darf und sollte nicht sein und wird mit einem Bußgeld belegt. Denn der Straßenverkehr - und nicht nur der - kann nur funktionieren, wenn … s.o.

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