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Vielfalt
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Internationale Wochen gegen Rassismus
16. bis 29.03.2026
Die Internationalen Wochen gegen Rassismus finden jedes Jahr im März statt. Ziel ist die Sensibilisierung der Mehrheitsgesellschaft und Empowerment von Betroffenen.
Das diesjährige Motto lautet:
100% Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus
Mit diesem Beitrag möchten Wir Sie einladen, offen und neugierig zu sein, zu lernen, zu reflektieren und mitzumachen.
Content Note: In diesem Beitrag geht es um Rassismus und Diskriminierung. Die Inhalte können belastend sein.
Warum ist das Thema auch für uns in Groß-Umstadt wichtig?
In Deutschland leben viele Menschen mit Migrationshintergrund. Viele davon sind von Rassismus betroffen. Auch in Groß-Umstadt leben ca. 2.500 Personen aus über 90 verschiedenen Nationen. Das sind ca. 11 % unserer Bevölkerung. Dazu kommen weitere ca. 9 %, die einen deutschen Pass besitzen und einen Migrationshintergrund haben. Insgesamt hat also fast ein Fünftel der Groß-Umstädter Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Groß-Umstadt hat eine vielfältige Einwohnerschaft, in der wir alle gemeinsam harmonisch zusammenleben möchten.
Was ist die Stiftung gegen Rassismus?
Die Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus plant und koordiniert die jährlichen UN-Wochen gegen Rassismus in Deutschland und fördert Modellprojekte zur Überwindung von Rassismus und Ausgrenzung von
Minderheiten. Durch die Stiftung soll die Arbeit gegen Rassismus nachhaltig und über das ganze Jahr ausgebaut werden.
Durch die Stiftung gegen Rassismus wurde seit 1995 der 21. März als Tag gegen rassistische Diskriminierung in Deutschland etabliert. Ein großes Netzwerk für eine menschenfreundliche Gesellschaft wurde aufgebaut, das jedes Jahr Tausende Veranstaltungen gegen Rassismus organisiert. Die Beteiligten engagieren sich für die Menschenwürde und gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Form der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.
Motto: Wir wollen 100% Menschenwürde und 0% Hass. Für Vielfalt, Gerechtigkeit und ein solidarisches Miteinander.
Wir starten mit ein paar Begriffen, die Sie wahrscheinlich alle schon gehört haben, aber vielleicht doch nicht in ihrer genauen Bedeutung und Definition kennen:
Rassismus
ist, wenn strukturell benachteiligte Gruppen oder einzelne Menschen aufgrund tatsächlicher oder vermeintlicher körperlicher oder kultureller Merkmale (z. B. Hautfarbe, Herkunft, Sprache, Religion) pauschal abgewertet und ausgegrenzt werden. Beim klassischen Rassismus wird eine Ungleichheit und Ungleichwertigkeit wegen vermeintlicher biologischer Unterschiede behauptet. Beim Kulturrassismus wird die Ungleichheit und Ungleichwertigkeit mit angeblichen Unterschieden zwischen den „Kulturen“ zu begründen versucht.
Quelle: https://glossar.neuemedienmacher.de/glossar/prefix:r/
Welche Formen von Rassismus gibt es?
- Struktureller Rassismus: Institutionen, die kollektiv rassistische Richtlinien und Praktiken aufrechterhalten
- Institutioneller Rassismus: Richtlinien, Gesetze und Praktiken, die rassistische Standards innerhalb von sozialen und politischen Institutionen stärken. Die sieht man z.B. bei Unterschieden in Bezug auf Wohlstand, Einkommen, Justiz, Wohnen, Gesundheitsversorgung, Bildung, politische Macht usw.
- Interpersoneller / zwischenmenschlicher Rassismus: Rassistische Handlungen und Mikroaggressionen zwischen einzelnen Personen.
- Internalisierter Rassismus: Die subtilen und offenen Botschaften, die zu negativen Überzeugungen und Selbsthass bei BIPoC führen (können).
Quelle: Instagram @erklaermirmal
Alltagsrassismus
beschreibt rassistische Bemerkungen und Handlungen, die oft beiläufig und von anderen unentdeckt im Alltag passieren. Darunter fallen beispielsweise die Frage nach der Herkunft, abwertende Blicke in der Öffentlichkeit oder die Zurückweisung von Türsteher*innen.
Quelle: Instagram @saymyname_bpb
Mikroagressionen
Mikroaggressionen sind alltägliche Kommentare oder Handlungen, die indirekt, subtil oder unbeabsichtigt marginalisierte Personengruppen diskriminieren. Die Äußerungen werden meist als übergriffig wahrgenommen. Sie können sowohl absichtlich als auch unabsichtlich geäußert oder getätigt werden. Obwohl sie oft nicht verletzend gemeint sind, können sie dazu führen, dass sich Menschen unsicher, unwohl oder ausgeschlossen fühlen. Mikroagressionen können verbale oder nonverbale Beleidigungen oder Verharmlosungen, Ignoranz, diskriminierende Witze, unbewusste Handlungen oder das Absprechen der eigenen Perspektive und Erfahrungen sein. Mikroaggressionen sind eine Form von Alltagsdiskriminierung.
Quelle: Instagram @awarenessakademie
Diskriminierung
Diskriminierung bedeutet, dass Menschen aufgrund individueller oder gruppenspezifischer Merkmale systematisch benachteiligt werden, z.B. durch Ausgrenzung, Unterdrückung oder Marginalisierung. Vermeintlich eindeutige Unterscheidungen dienen zur Begründung und Rechtfertigung von Ungleichbehandlung mit der Folge gesellschaftlicher Benachteiligungen. Den Diskriminierten wird der Status als gleichwertige und gleichberechtigte Gesellschaftsmitglieder bestritten; ihre faktische Benachteiligung wird entsprechend nicht als ungerecht bewertet, sondern als unvermeidbares Ergebnis ihrer vermeintlichen Andersartigkeit betrachtet.
Quelle: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/221573/diskriminierung-antidiskriminierung-begriffe-und-grundlagen/
Marginalisierung
Marginalisiert bedeutet: an den Rand gedrängt, für bedeutungslos erklärt.
Quelle: Köller, Kathrin und Schautz, Irmela (2023): Queergestreift. Alles über LGBTIQA+. Bonn: bpb Bundeszentrale für politische Bildung.
Integration
Der Begriff beschreibt die Chancen und den Grad der Teilhabe an zentralen gesellschaftlichen Bereichen wie Arbeitsmarkt, (Aus-)Bildungssystem oder Wohnungsmarkt. Grundsätzlich erbringt in modernen, ausdifferenzierten Gesellschaften prinzipiell jedes Individuum Integrationsleistungen. Im Zusammenhang mit Zuwanderung bezieht sich der Integrationsbegriff in der Regel auf Eingewanderte und deren Nachkommen und meint im Allgemeinen die Einbeziehung eines Individuums oder einer Gruppe in die Gesellschaft.
Quellen: Jochen Oltmer: Globale Migration. Geschichte und Gegenwart. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2017; Annette Treibel: Integriert Euch! Plädoyer für ein selbstbewusstes Einwanderungsland. Frankfurt am Main: campus Verlag 2015.
Aktualisiert und erweitert im August 2025. Hrsg. von Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS).
Migrationshintergrund
Eine Person hat dann einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren ist.
Aus: ZIVIZ Zivilgesellschaft in Zahlen und KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung / Rita Panesar: Leitfaden für Vereine und gemeinnützige Organisationen. Wie interkulturelle Öffnung gelingt
Rechtsextremismus
benennt laut Verfassungsschutz Bestrebungen, die sich gegen die im Grundgesetz verankerte Gleichheit der Menschen richten und universelle Menschenrechte ablehnen. Die ethnische Zugehörigkeit von Menschen wird in einem verfassungsfeindlichen, rechtsextremen Weltbild höher bewertet und individuelle Rechte treten zugunsten „volksgemeinschaftlicher“ Konstrukte zurück. Weitere wesentliche Bestandteile sind neben Rassismus auch Antisemitismus und ein autoritäres Staatsverständnis.
Quelle: https://glossar.neuemedienmacher.de/glossar/prefix:r/
Intersektionalität
Intersektionalität bezieht sich auf das Zusammenwirken von Diskriminierungskategorien wie Geschlecht, ethnischer Herkunft, Klasse, sexueller Orientierung und Behinderung. Dabei geht es nicht nur um das bloße Addieren der Kategorien, sondern dem Verständnis darüber, welche konkreten Auswirkungen diese Mehrfachdiskriminierung auf Individuen und Strukturen hat.
Quelle: Instagram @awarenessakademie
Nachdem wir nun einige Begriffe geklärt haben, möchten wir Sie zu einem kleinen Selbst-Experiment einladen:
Privilegien-Check
Alle Menschen tragen verschiedene Privilegien mit sich. Menschen werden danach beurteilt, bewertet, behandelt und diskriminiert oder gar verletzt und verfolgt.
Privilegien spielen eine große Rolle für unser Verhalten anderen gegenüber, bei Entscheidungen, im Handeln und für unsere Gesundheit. Sich der eigenen Privilegien bewusst zu werden, ist essenziell für ein empathisches und friedliches Miteinander, die Anerkennung von und der Umgang mit Vielfalt.
Deshalb möchten wir Sie einladen zu einem kurzen Privilegien-Check. Im Folgenden finden Sie Aussagen. Nehmen Sie sich einen kurzen Moment Zeit zu überlegen, ob die Aussagen auf Sie zutreffen oder nicht.
- Vorab: Was sind Privilegien?
Wenn heute von Privilegien die Rede ist, sind damit meist Vorteile oder Vorrechte gemeint, die jemand genießt, ohne dafür etwas geleistet haben zu müssen. Die Besserstellung wird insofern als ungerecht empfunden, als sie sich häufig vor allem aus einem zugeschriebenen oder angeborenen Merkmal ergibt. Dazu gehören beispielsweise Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder soziale Schichtzugehörigkeit. So gesehen ist Privilegierung also das Gegenstück von Benachteiligung – der Blick richtet sich jedoch auf die Begünstigten, deren gesellschaftliche Macht damit kritisch hinterfragt wird.
Quelle: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/privilegien-2024/548587/editorial/
- Und los geht’s:
- Die Aussprache meines Nachnamens fällt in der Regel niemandem schwer.
- Ich kann in der Politik meines Landes mitbestimmen und darf wählen.
- Meine Muttersprache ist deutsch.
- Ich habe einen Ort, den ich mein Zuhause nenne und fühle mich dort sicher.
- In der Schulzeit lernte ich etwas über die Geschichte und Kultur meiner Vorfahren.
- Ich kann mich mit Rassismus auseinandersetzen, wenn ich möchte, muss es aber nicht unbedingt.
- Ich bin überwiegend von Menschen meiner eigenen Nationalität umgeben.
- Ich habe mich noch nie für meinen Akzent geschämt.
- Ich bekomme im Alltag überall Zugang zu wichtigen Informationen in meiner Erstsprache.
- Als Schulkind wurde ich nicht wegen meiner Aussprache gehänselt und ausgeschlossen.
- An meinen (religiösen) Feiertagen und kulturellen Ereignissen muss ich nicht frei nehmen, weil alle in meinem Bundesland frei haben.
- Meine Herkunft spielt unter Kolleg*innen und Vorgesetzten keine diskriminierende Rolle.
- Ich verstehe bürokratische Anschreiben.
- Ich habe noch nie einen Mietvertrag wegen meines Nachnamens nicht bekommen.
- Ich traue mich zu fragen, wenn ich etwas nicht verstehe.
- Ich habe ausreichend Kontakt zu den Menschen, die ich liebe.
- Meine Lieben sind in meiner Nähe.
- Ich fühle mich anerkannt und wertgeschätzt.
Wie fühlen Sie sich nach dieser kleinen Übung?
Sie möchten tiefer einsteigen? Auf der Seite des Dialog Museum Frankfurt finden Sie einen Privilegien-Check mit 105 Fragen: https://dialogmuseum.de/privilegiencheck
Sie haben Rassismus erlebt oder beobachtet?
Das können Sie tun:
Rechte oder rassistische Gewalt melden:
hessenschauthin.de
hessenschauthin.de ist eine Meldestelle für rechte und rassistische Gewalt. Ob Beleidigung, Ausgrenzung oder Gewalt: Bei hessenschauthin.de kannst du einen Vorfall melden, den du selbst erlebt oder beobachtet hast. Die Meldung erfolgt anonym und kostenfrei. Sie dauert nur wenige Minuten. Mit deiner Meldung kannst du helfen, das ganze Bild sichtbar zu machen!
„Hessen schaut hin“ ist eine Initiative der Beratungsstelle response. Gemeinsam mit vielen Partner*innen arbeitet sie daran, das Ausmaß rechter Gewalt realistischer abzubilden. Beteiligt sind unter anderem: Response - Beratung für Betroffenen von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, Bildungsstätte Anne Frank, Hessischer Flüchtlingsrat, AdiNet AntidiskriminierungsNetzwerk, ADiBe Netzwerk Hessen – Antidiskriminierungsberatung, Antidiskriminierung Mittelhessen e.V. und viele weitere Netzwerke.
Hier finden Sie Beratungsstellen:
ADiBe Antidiskriminierungsberatung Südhessen (Regionalbüro Frankfurt)
Mail: kontakt@adibe-hessen.de
Tel.: 0178 671 5601 erreichbar:
Mittwoch: 9-10 Uhr
Donnersteag: 12-14 Uhr
Freitag: 11-13 Uhr
https://adibe-hessen.de
response. Beratungsstelle
Mail: kontakt@response-hessen.de
Tel.: 069 348 770 530 erreichbar:
Mittwoch: 15 - 17.30 Uhr
Freitag: 13 - 15.30 Uhr
https://response-hessen.de
Kontakt
Haben Sie Fragen, suchen Unterstützung oder möchten sich im Bereich Integration engagieren? Ich freue mich, von Ihnen zu hören:


